Lollenstein Futterwissen
So bewerten wir unser Futter
Auf unseren Produktseiten findest du ein Futterprofil zur aktuellen Erntecharge. Die Bewertung soll keine pauschale Werbeaussage sein, sondern nachvollziehbar zeigen, welche Daten wir betrachten, was für oder gegen eine Eignung spricht und wann eine individuelle Prüfung notwendig ist.
Wir bewerten nicht einfach „Heu“ oder „Heulage“, sondern die konkrete Erntecharge. Zuerst prüfen wir Datenlage und Plausibilität. Danach wenden wir die für das jeweilige Fütterungsziel relevanten Lollenstein-Kriterien an. Das Ergebnis erhält eine Begründung, einen Sicherheitsgrad und einen Freigabestatus.
1. Welche Daten fließen in die Bewertung ein?
Je nach Fütterungsziel werden unterschiedliche Chargendaten herangezogen. Dazu können gehören:
z. B. Trockensubstanz, Rohfaser, Rohprotein, Gesamtzucker, Fruktan, Energie und Mineralstoffe.
Strukturgrad, Halmlänge, Blatt- und Stängelanteil sowie Verholzungsgrad.
Haptik, Geruch, Farbe, Schmackhaftigkeit und dokumentierte Besonderheiten.
Feuchteklasse, Staubigkeit und gegebenenfalls maschinelle Entstaubung.
Schnitt, Erntezeitpunkt, Saatmischung und weitere chargenbezogene Informationen.
Herkunftstyp, Erntegebiet, Charge und dokumentierte Rückverfolgbarkeit.
Nicht jede Kategorie wird aus denselben Werten abgeleitet. Für eine staubarme Fütterung ist beispielsweise die Staubbelastung entscheidender als der Energiegehalt. Für leicht- oder schwerfuttrige Pferde spielen Energieangebot, Struktur und die Gesamtration eine größere Rolle.
2. Was bedeuten unsere Bewertungen?
Die vorhandenen Chargendaten sprechen deutlich für dieses Fütterungsziel.
Die Charge passt nach den vorliegenden Daten insgesamt gut.
Die Charge kann passen, es gibt aber relevante Einschränkungen oder Punkte zur individuellen Prüfung.
Wichtige Eigenschaften sprechen gegen den Einsatz für dieses konkrete Fütterungsziel.
Pferd, Gesamtration oder gesundheitliche Situation sind für eine pauschale Aussage zu wichtig.
Die notwendigen Daten liegen nicht ausreichend oder nicht eindeutig vor.
3. So betrachten wir die einzelnen Fütterungsziele
Öffne eine Kategorie, um zu sehen, welche Daten wir besonders berücksichtigen und wo die Grenzen der Einordnung liegen.
Staubarme Fütterung
Wir betrachten: vor allem Staubigkeit, Feuchteklasse und gegebenenfalls Entstaubung.
Spricht eher dafür: eine dokumentiert sehr geringe Staubbelastung und eine Futterbeschaffenheit, die wenig respirablen Staub freisetzt.
Spricht eher dagegen: sichtbare oder dokumentierte Staubbelastung.
Grenze: Die Einstufung beschreibt die Fütterungseigenschaft der Charge. Sie ist keine Behandlungsempfehlung für eine Atemwegserkrankung.
Atemwegsempfindliche Pferde
Wir betrachten: Staubigkeit und die praktische Futterbeschaffenheit besonders streng.
Spricht eher dafür: möglichst geringe Staubexposition.
Individuell prüfen: bei bestehenden oder wiederkehrenden Atemwegsproblemen, weil Ursache und Schweregrad individuell sind.
Grenze: Auch ein staubarmes Futter ist keine Diagnose oder Therapie.
Hoher Strukturbedarf
Wir betrachten: Strukturgrad, Halmlänge, Blatt- und Stängelanteil sowie Verholzungsgrad.
Spricht eher dafür: eine gröbere, langhalmige und strukturbetonte Charge.
Spricht eher dagegen: sehr feine oder stark zerkleinerte Struktur, wenn ausdrücklich viel physische Raufutterstruktur gewünscht ist.
Grenze: Strukturbedarf ist nicht gleich Nährstoffbedarf; die Gesamtration bleibt entscheidend.
Eingeschränkte Kauleistung / Zahnprobleme
Wir betrachten: Haptik, Halmlänge, Struktur und Verholzungsgrad.
Spricht eher dafür: weichere, weniger harte und je nach Pferd leichter aufzunehmende Strukturen.
Spricht eher dagegen: sehr lange, harte oder stark verholzte Bestandteile.
Individuell prüfen: bei deutlichen Zahnproblemen oder eingeschränkter Kauleistung, da Zahnstatus und Aufnahmevermögen stark variieren.
Normaler Erhaltungsbedarf
Wir betrachten: Energie, Rohfaser, Struktur und die allgemeine Beschaffenheit der Charge.
Spricht eher dafür: ein ausgewogenes Profil, das sich grundsätzlich in eine typische Raufutterration eines erwachsenen Pferdes ohne besonderen zusätzlichen Energiebedarf einordnen lässt.
Grenze: Körpergewicht, Futtermenge, Haltung und Bewegung werden durch die Chargenbewertung nicht ersetzt.
Leichtfuttrige Pferde
Wir betrachten: insbesondere Energieangebot, Struktur und praktische Fressdauer.
Spricht eher dafür: moderates Energieangebot bei guter Raufutterstruktur.
Spricht eher dagegen: ein für das konkrete Pferd unnötig hohes Energieangebot.
Grenze: Gewichtsentwicklung lässt sich nicht aus einem einzelnen Laborwert ableiten; entscheidend sind Futtermenge und Gesamtration.
Schwerfuttrige Pferde / erhöhter Energiebedarf
Wir betrachten: Energiegehalt, Struktur und die zu erwartende praktische Futteraufnahme.
Spricht eher dafür: eine Charge, die ausreichend Energie liefert und vom Pferd in benötigter Menge gut aufgenommen werden kann.
Spricht eher dagegen: sehr niedriges Energieangebot, wenn der Bedarf mit der Gesamtration sonst schwer zu decken ist.
Individuell prüfen: bei Gewichtsverlust oder auffälliger Kondition.
Sportpferde / höhere Arbeitsleistung
Wir betrachten: Energie, Protein, Struktur und mögliche Futteraufnahme.
Spricht eher dafür: eine Charge, die sinnvoll zur bedarfsgerechten Gesamtration beitragen kann.
Individuell prüfen: abhängig von Trainingsumfang, Körperkondition und weiteren Rationsbestandteilen.
Grenze: Das Futterprofil ersetzt keine vollständige Rationsberechnung.
Zuckerbewusste Fütterung
Wir betrachten: die tatsächlich hinterlegten Laborwerte und deren Bezeichnung.
Spricht eher dafür: ein im Vergleich zur jeweiligen Zielsetzung passendes, analytisch dokumentiertes Kohlenhydratprofil.
Wichtig: Gesamtzucker, Fruktan, Stärke, WSC, ESC, NSC und NFC sind nicht automatisch austauschbar. Wir rechnen deshalb nicht eigenmächtig verschiedene Laborbegriffe zu einem neuen Wert zusammen.
Grenze: Diese Kategorie ist eine allgemeine Fütterungseinordnung und keine medizinische Empfehlung für EMS oder Hufrehe.
EMS / Insulindysregulation
Wir betrachten: nur eindeutig definierte und belastbare Kohlenhydratdaten sowie die individuelle gesundheitliche Fragestellung.
Automatische positive Empfehlung: bewusst nicht, solange relevante Messwerte, Messmethode oder Bezugsbasis nicht eindeutig feststehen.
Bei unklarer Datenlage: „Nicht bewertbar“ oder „Individuell prüfen“.
Grenze: Insulindysregulation ist medizinisch relevant und gehört in tierärztliche bzw. qualifizierte fütterungsfachliche Begleitung.
Rehegefährdung / endocrinopathische Rehe
Wir betrachten: Datenlage zur Kohlenhydratzusammensetzung und die Grenzen einer produktbezogenen Bewertung besonders streng.
Bei unklarer Datenlage: keine pauschale positive Empfehlung.
Individuell prüfen: immer dann, wenn eine konkrete Rehevorgeschichte oder ein metabolisches Risiko besteht.
Grenze: Die Chargendaten unterstützen die Auswahl, ersetzen aber keine tierärztliche Beurteilung.
PPID / Cushing
Wir betrachten: nicht PPID isoliert, sondern relevante Begleitfaktoren wie Insulindysregulation, Körperkondition, Kauleistung und die Gesamtration.
Individuell prüfen: ist häufig die sachgerechteste Aussage, weil PPID allein keine einheitliche Raufutteranforderung definiert.
Grenze: Keine automatische medizinische Positiv- oder Negativempfehlung aus einem einzelnen Laborwert.
4. Erst Datenprüfung, dann Bewertung
Sind die erforderlichen Werte vorhanden und eindeutig?
Gibt es Gründe, die eine automatische Einordnung ausschließen?
Die passenden Chargendaten werden gegen das definierte Regelwerk geprüft.
Bewertung, Begründung, Sicherheit, Regelversion und Freigabestatus bleiben nachvollziehbar.
5. Automatisch vorgeschlagen – manuell freigegeben
Unser System kann anhand der hinterlegten Chargendaten Bewertungsvorschläge erzeugen. Ein automatischer Vorschlag ist aber noch keine veröffentlichte Empfehlung. Für die reguläre Live-Darstellung sollen nur geprüfte und freigegebene Bewertungen verwendet werden. Bei sensiblen oder unklaren Fällen ist eine manuelle Prüfung vorgesehen.
6. Was unsere Einordnung nicht ist
Das Lollenstein-Futterprofil ist eine Orientierung zur Auswahl einer konkreten Erntecharge. Es ist:
- keine Diagnose,
- keine Therapieempfehlung,
- keine Garantie für die Eignung bei jedem einzelnen Pferd,
- kein Ersatz für eine individuelle Rationsberechnung,
- kein Ersatz für tierärztliche Beratung bei Erkrankungen.
Warum wir das so machen
Wir möchten Pferdefutter nicht nur mit allgemeinen Aussagen wie „für Senioren“, „für Sportpferde“ oder „für empfindliche Pferde“ beschreiben. Unser Ziel ist eine nachvollziehbare Verbindung zwischen konkreter Erntecharge, Laboranalyse, Produkteigenschaften und der daraus abgeleiteten Einordnung.
Wenn eine Charge gut passt, möchten wir erklären warum. Wenn sie nur bedingt passt, ebenfalls. Und wenn die Daten für eine belastbare Aussage nicht reichen, soll genau das sichtbar sein.
Fachlicher Hinweis: Für gesundheitlich sensible Kategorien orientieren wir uns an veterinärmedizinischer Fachliteratur und Konsensusarbeiten. Die Lollenstein-Kriterien werden weiterentwickelt und ersetzen keine individuelle tierärztliche oder qualifizierte fütterungsfachliche Beratung.
