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So bewerten wir unser Futter – die Lollenstein-Kriterien

Wenn wir eine Erntecharge für bestimmte Pferdetypen oder Fütterungsziele einordnen, soll diese Bewertung nicht wie eine pauschale Werbeaussage wirken. Deshalb machen wir transparent, welche Daten wir betrachten, wie daraus ein Futterprofil entsteht und wo die Grenzen einer solchen Einordnung liegen.

Unsere Grundlage: die konkrete Erntecharge

Wir bewerten nicht einfach nur einen Produktnamen wie „Heu“ oder „Heulage“. Maßgeblich ist immer die aktuell hinterlegte Erntecharge. Je nach Charge können sich Erntezeitpunkt, Feuchtigkeit, Pflanzenbestand, Struktur, Laborwerte und weitere Eigenschaften unterscheiden.

Für die Einordnung können unter anderem folgende Informationen herangezogen werden:

  • Laboranalyse, z. B. Trockensubstanz, Rohfaser, Rohprotein, Gesamtzucker und Energie
  • Feuchteklasse und Silierungsart
  • Staubigkeit und gegebenenfalls Entstaubung
  • Strukturgrad, Halmlänge, Blatt- und Stängelanteil
  • Haptik, Verholzungsgrad und Schmackhaftigkeit
  • Saatmischung, Schnitt und Erntezeitpunkt
  • Herkunft und weitere chargenbezogene Besonderheiten

Wichtig: Nicht jede Kategorie lässt sich allein aus denselben Daten beurteilen. Für manche Fragestellungen ist ein Laborwert besonders wichtig, für andere eher die physische Struktur oder die Staubbelastung.

Die Bewertungsskala

Damit die Einordnung verständlich bleibt, nutzen wir eine einheitliche Skala:

  • Sehr gut passend – die vorhandenen Chargendaten sprechen deutlich für dieses Fütterungsziel.
  • Gut geeignet – die Charge passt nach den vorliegenden Daten insgesamt gut.
  • Bedingt geeignet – die Charge kann passen, es gibt aber Einschränkungen oder Aspekte, die individuell geprüft werden sollten.
  • Nicht empfohlen – wichtige Eigenschaften sprechen gegen den Einsatz für dieses konkrete Fütterungsziel.
  • Individuell prüfen – eine pauschale Einordnung wäre nicht sinnvoll; Pferd, Ration oder gesundheitliche Situation müssen berücksichtigt werden.
  • Nicht bewertbar – die dafür notwendigen Daten liegen nicht ausreichend oder nicht eindeutig vor.

Wie aus Daten eine Einordnung entsteht

Unsere Lollenstein-Kriterien folgen einem festen Prinzip: Zuerst prüfen wir, ob die erforderlichen Daten überhaupt vorhanden und plausibel sind. Danach werden chargenbezogene Eigenschaften und Laborwerte gegen definierte Kriterien betrachtet. Erst daraus entsteht eine Bewertung mit Begründung.

Bei sensiblen oder gesundheitlich relevanten Kategorien setzen wir bewusst Grenzen. Wenn wichtige Messwerte fehlen, Laborbegriffe nicht eindeutig vergleichbar sind oder die individuelle Situation des Pferdes entscheidend ist, soll das System gerade keine scheinbar sichere Empfehlung erzeugen.

Welche Kategorien bewerten wir?

Staubarme Fütterung

Hier betrachten wir vor allem, wie staubig die Charge sensorisch eingestuft ist und welche Eigenschaften des Futters die Staubexposition beeinflussen können. Eine sehr staubarme Charge kann für Pferde interessant sein, bei denen eine möglichst geringe Belastung durch Futterstaub gewünscht ist.

Die wissenschaftliche Literatur zeigt, dass eine Reduktion respirabler Partikel und der Einsatz staubarmer Futtermittel ein wichtiger Bestandteil des Managements bei empfindlichen Atemwegen sein kann. Eine Produkteinstufung ersetzt jedoch keine tierärztliche Diagnose oder Therapie.

Atemwegsempfindliche Pferde

Diese Kategorie geht bewusst einen Schritt weiter als die reine Beschreibung „staubarm“. Neben der Staubigkeit muss berücksichtigt werden, dass Atemwegserkrankungen sehr unterschiedliche Ursachen und Ausprägungen haben. Deshalb kann selbst eine sehr staubarme Charge nicht automatisch als therapeutisch geeignet bezeichnet werden.

Bei dieser Kategorie formulieren wir entsprechend vorsichtig und empfehlen bei bestehenden Atemwegsproblemen eine individuelle tierärztliche Abstimmung.

Hoher Strukturbedarf

Hier spielen vor allem Strukturgrad, Halmlänge, Blatt- und Stängelanteil sowie der Verholzungsgrad eine Rolle. Grob strukturierte, langhalmige Chargen können eine längere Kauaktivität unterstützen und sind deshalb für Pferde interessant, bei denen eine ausgeprägte Raufutterstruktur gewünscht ist.

Eingeschränkte Kauleistung / Zahnprobleme

Bei eingeschränkter Kauleistung betrachten wir die physische Beschaffenheit des Futters besonders kritisch. Sehr lange, harte oder stark verholzte Bestandteile können schwieriger aufzunehmen sein. Feinere, weichere Strukturen können dagegen besser passen.

Da Zahnstatus und Kauvermögen individuell stark variieren, ist diese Kategorie häufig nur bedingt pauschal bewertbar. Bei deutlichen Zahnproblemen sollte die Rationsgestaltung mit Tierarzt oder qualifizierter Fütterungsberatung abgestimmt werden.

Normaler Erhaltungsbedarf

Hier geht es um ein erwachsenes Pferd ohne besonderen zusätzlichen Energiebedarf. Wir betrachten unter anderem Energiegehalt, Rohfaser, Struktur und die allgemeine Beschaffenheit der Charge. Ziel ist eine nachvollziehbare Einschätzung, ob das Futter grundsätzlich gut in eine typische Erhaltungsration passen kann.

Leichtfuttrige Pferde

Bei leichtfuttrigen Pferden sind vor allem Energieangebot, Fressdauer, Struktur und die gesamte Ration relevant. Eine strukturreiche Charge mit moderatem Energieangebot kann hier vorteilhaft sein. Trotzdem lässt sich die Gewichtsentwicklung nicht anhand eines einzelnen Laborwertes vorhersagen.

Schwerfuttrige Pferde / erhöhter Energiebedarf

Hier betrachten wir insbesondere die verfügbare Energie und die praktische Futteraufnahme. Eine sehr energiearme oder extrem strukturreiche Charge kann für Pferde mit erhöhtem Bedarf weniger gut passen, während energiereichere Chargen vorteilhafter sein können. Entscheidend bleibt jedoch die Gesamtration.

Sportpferde / höhere Arbeitsleistung

Bei höherer Arbeitsleistung steigen die Anforderungen an die Gesamtration. Deshalb fließen Energie, Protein, Struktur, Futteraufnahme und weitere Rationsbestandteile in die Beurteilung ein. Unser Futterprofil kann hier eine erste Orientierung geben, ersetzt aber keine vollständige Rationsberechnung.

Zuckerbewusste Fütterung

Diese Kategorie bezieht sich auf eine allgemein zuckerbewusste Rationsgestaltung. Grundlage sind die tatsächlich hinterlegten Laborwerte der Charge. Wir trennen diese Kategorie bewusst von einer medizinischen Empfehlung für EMS, Insulindysregulation oder Hufrehe.

Der Grund: Begriffe wie Gesamtzucker, WSC, ESC, Fruktan, Stärke und NSC sind analytisch nicht einfach austauschbar. Eine sichere medizinische Einordnung setzt voraus, dass Messmethode und Bezugsbasis der Laborwerte eindeutig bekannt sind.

EMS / Insulindysregulation

Insulindysregulation ist ein zentraler Risikofaktor für die endocrinopathische Hufrehe. Für betroffene Pferde ist die Kohlenhydratzusammensetzung des Futters besonders relevant. Fachkonsensus empfiehlt, die Nährstoffzusammensetzung des Raufutters möglichst analytisch zu bestimmen und kohlenhydratreiche Futtermittel entsprechend zu begrenzen.

Deshalb vergeben wir für diese Kategorie keine positive automatische Empfehlung, wenn die notwendigen Kohlenhydratdaten oder deren analytische Definition nicht eindeutig vorliegen. In solchen Fällen lautet die Einordnung bewusst „Nicht bewertbar“ oder „Individuell prüfen“.

Rehegefährdung / endocrinopathische Rehe

Bei Hufrehegefährdung ist eine pauschale Empfehlung anhand einer Produktbeschreibung nicht verantwortbar. Endocrinopathische Hufrehe steht häufig im Zusammenhang mit Insulindysregulation. Deshalb gelten hier besonders strenge Anforderungen an Datenlage und individuelle Beurteilung.

Unsere Produktdaten können bei der Auswahl unterstützen, ersetzen aber keine tierärztliche Diagnose oder einen individuellen Fütterungsplan.

PPID / Cushing

PPID allein bedeutet nicht automatisch, dass jedes Pferd dieselben Anforderungen an sein Raufutter hat. Besonders relevant wird die Fütterung, wenn zusätzlich Insulindysregulation, Übergewicht, Gewichtsverlust, Zahnprobleme oder andere individuelle Faktoren bestehen.

Deshalb wird PPID bei uns nicht einfach durch einen einzelnen Zucker- oder Energiewert automatisch positiv oder negativ bewertet. In vielen Fällen ist „Individuell prüfen“ die fachlich sinnvollere Aussage.

Warum zeigen wir eine Begründung an?

Eine Bewertung ohne Begründung wäre für uns zu wenig transparent. Deshalb soll jede freigegebene Einordnung nachvollziehbar erklären, welche Eigenschaften der Charge besonders relevant waren und welche Einschränkungen es gibt.

So kann ein Kunde unterscheiden zwischen:

  • gemessenen Laborwerten,
  • sensorisch beschriebenen Produkteigenschaften,
  • und der daraus abgeleiteten Lollenstein-Einordnung.

Automatisch vorgeschlagen – manuell freigegeben

Unser System kann aus den hinterlegten Chargendaten automatisch Bewertungsvorschläge erzeugen. Ein automatischer Vorschlag ist jedoch nicht automatisch eine veröffentlichte Empfehlung. Die Einordnung erhält einen Prüf- und Freigabestatus. Für die reguläre Veröffentlichung sollen nur geprüfte und freigegebene Bewertungen verwendet werden.

Dadurch können wir die Logik weiterentwickeln, neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen und trotzdem nachvollziehen, auf welcher Regelversion eine Bewertung entstanden ist.

Was unsere Lollenstein-Kriterien nicht leisten sollen

Das Futterprofil ist eine Orientierung zur Auswahl einer Erntecharge. Es ist keine Diagnose, keine Therapieempfehlung und keine Garantie dafür, dass ein bestimmtes Futter für jedes einzelne Pferd einer Kategorie geeignet ist.

Bei Erkrankungen, Stoffwechselproblemen, wiederkehrender Hufrehe, deutlichen Zahnproblemen, Unter- oder Übergewicht sowie besonderen Leistungsanforderungen sollte die gesamte Ration individuell beurteilt werden.

Unser Ziel

Wir möchten Pferdefutter nicht nur mit allgemeinen Begriffen wie „für Senioren“, „für Sportpferde“ oder „für empfindliche Pferde“ bewerben. Unser Ziel ist eine nachvollziehbare Verbindung zwischen konkreter Erntecharge, Laboranalyse, Produkteigenschaften und der daraus abgeleiteten Einordnung.

Wenn eine Charge gut passt, möchten wir erklären warum. Wenn sie nur bedingt passt, ebenfalls. Und wenn die Daten für eine sichere Aussage nicht reichen, soll genau das sichtbar sein.

→ Begriffe und Laborwerte im Lollenstein Futterlexikon nachlesen

Fachlicher Hinweis: Für gesundheitlich sensible Kategorien orientieren wir uns unter anderem an veterinärmedizinischen Konsensusarbeiten zu Equinem Metabolischem Syndrom und Insulindysregulation sowie an wissenschaftlichen Arbeiten zum Einfluss von Futterstaub auf die equinen Atemwege. Die Lollenstein-Kriterien werden weiterentwickelt und ersetzen keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beratung.

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