Heuanalyse verstehen: Was die Werte für dein Pferd bedeuten
Trockensubstanz, Rohfaser, Fruktan, ME-Pferd — wer zum ersten Mal eine Heuanalyse vor sich hat, sieht erstmal eine lange Liste mit Prozentwerten und Fachbegriffen. In diesem Beitrag erklären wir dir verständlich, was die einzelnen Werte einer Heuanalyse bedeuten, welche besonders wichtig sind und worauf du als Pferdebesitzer wirklich achten solltest — vor allem, wenn du ein leichtfuttriges Pferd, einen Senior oder ein Pferd mit Hufrehe, EMS oder Cushing hast.
Das Wichtigste in Kürze
- Trockensubstanz zeigt, wie viel Wasser im Heu steckt — Heu sollte über 85 % liegen, damit es lagerstabil ist.
- Rohprotein ist der Eiweißgehalt, üblicherweise 8–12 %.
- Rohfaser beschreibt die Struktur — 25–32 % gelten als Zielbereich.
- Zucker sollte unter 10 %, Fruktan unter 5 % liegen (besonders wichtig für Stoffwechselpferde).
- ME-Pferd ist die Energie in Megajoule pro Kilo — übliches Heu hat 7–9 MJ/kg, energiearmes Stoffwechselheu eher 5–6 MJ/kg.
Warum ist eine Heuanalyse für Pferdebesitzer wichtig?
Heu ist ein Naturprodukt. Selbst von derselben Wiese kann jeder Schnitt anders ausfallen — abhängig von Wetter, Schnittzeitpunkt, Pflanzenbestand und Trocknung. Wer ein Pferd mit besonderen Anforderungen hat, kann sich nicht auf "Heu ist Heu" verlassen.
Eine Heuanalyse vom unabhängigen Labor — bei unseren Produkten ist das die LUFA Nord-West — zeigt schwarz auf weiß, was tatsächlich in der Charge steckt. Für jede unserer Chargen ist die Analyse auf der jeweiligen Produktseite hinterlegt.
Was bedeuten die zwei Spalten in der Heuanalyse?
In jeder Heuanalyse stehen zwei Zahlen nebeneinander: einmal "Ergebnis in der Originalsubstanz" und einmal "Berechnet auf Trockensubstanz". Die fett gedruckte Spalte (Trockensubstanz) ist die, mit der du arbeiten solltest. Sie rechnet das Wasser raus und macht die Werte zwischen verschiedenen Chargen — und auch zwischen Heu und Heulage — vergleichbar.
Faustregel: Wenn du zwei Analysen miteinander vergleichst, immer die Trockensubstanz-Spalte heranziehen.
Trockensubstanz: Wie viel Wasser ist im Heu?
Heu sollte über 85 % Trockensubstanz haben, damit es lagerstabil ist und nicht zu schimmeln beginnt. Bei Heulage liegt die Trockensubstanz deutlich niedriger (in der Regel 50–70 %), das ist gewollt — die Heulage wird unter Luftabschluss konserviert und braucht eine gewisse Restfeuchte für die Milchsäuregärung.
Rohprotein und pcv XP: Wie viel Eiweiß steckt im Heu?
Rohprotein gibt den gesamten Eiweißanteil im Heu an. Übliches Pferdeheu liegt bei 8–12 %. Werte deutlich darunter sprechen für ein spät geschnittenes, "mageres" Heu — was bei Stoffwechselpferden gewünscht ist. Werte deutlich darüber passen eher für Jungpferde, Zuchtstuten oder Pferde im Muskelaufbau.
pcv XP (praecaecal verdauliches Rohprotein) zeigt den Teil des Eiweißes, den das Pferd tatsächlich verwerten kann. Der Wert ist aussagekräftiger als das reine Rohprotein, weil er den Verdaulichkeitsfaktor mit einrechnet.
Rohfaser, ADFom und aNDFom: Wie strukturreich ist das Heu?
Diese drei Werte beschreiben den Faseranteil im Heu. Vereinfacht: Je höher die Werte, desto strukturreicher und gröber das Heu, desto länger kaut das Pferd, desto weniger Energie steckt drin.
- Rohfaser: Zielbereich 25–32 %. Spät geschnittenes Stoffwechselheu liegt oft darüber — das ist kein Mangel, sondern Absicht.
- ADFom: Beschreibt die schwerer verdaulichen Faseranteile (Zellulose und Lignin). Zielbereich 34–38 %.
- aNDFom: Bezeichnet die gesamten Zellwand-Bestandteile. Zielbereich 54–62 %.
Hohe Strukturwerte machen das Heu zu einem guten Beschäftigungsfutter — das Pferd kaut länger, ist länger satt, nimmt weniger Energie pro Bissen auf. Ideal für leichtfuttrige Pferde.
Wie viel Zucker und Fruktan darf im Pferdeheu sein?
Wer ein Pferd mit Hufrehe, EMS (Equines Metabolisches Syndrom) oder Cushing hat, schaut zuerst auf diese Werte:
- Gesamtzucker sollte unter 10 % liegen, bei Risikopferden möglichst darunter.
- Fruktan sollte unter 5 % liegen — Fruktan gilt als der eigentliche Auslöser von Fütterungs-bedingter Hufrehe.
- NFC (Nicht-Faser-Kohlenhydrate) fasst Zucker, Stärke und Pektine zusammen, also alle schnell verdaulichen Kohlenhydrate.
Wichtig zu wissen: Wenig Zucker im Heu bedeutet nicht automatisch wenig Energie — und ein zuckerarmes Heu ist nicht automatisch ein energiearmes Heu. Das sind zwei verschiedene Fragen, und du musst beide getrennt anschauen, um die richtige Charge für dein Pferd auszuwählen.
Was bedeutet ME-Pferd in der Heuanalyse?
Der Energiegehalt im Heu wird als ME-Pferd (umsetzbare Energie für Pferde) in Megajoule pro Kilogramm Trockensubstanz angegeben. Der Wert beschreibt, wie viel Energie das Pferd aus dem Heu tatsächlich verwerten kann — nach Abzug der Verluste über Kot, Harn und Gärgase.
Zur Orientierung:
- Übliches Pferdeheu: 7–9 MJ/kg
- Energiearmes Stoffwechselheu: 5–6 MJ/kg
- Energiereiches Heu für arbeitende Pferde: über 9 MJ/kg
Faustregel: Ein leichtfuttriges Pferd profitiert von niedriger Energie. Ein dünnes Pferd, ein Senior mit erhöhtem Bedarf oder ein Sportpferd im Training braucht mehr.
Rohasche und Sand: Wie sauber ist das Heu?
Rohasche beschreibt den Mineralanteil im Heu. Werte über 10 % können auf Erdverschmutzung bei der Ernte hindeuten. Der Sandwert zeigt direkt, wie viel Boden ins Heu geraten ist — wichtig, weil zu viel Sand auf Dauer Sandkoliken auslösen kann. Beide Werte sollten möglichst niedrig sein.
Warum schwanken die Werte zwischen verschiedenen Chargen?
Das ist normal — und ehrlich gesagt auch ein Qualitätsmerkmal. Wer behauptet, sein Heu sei immer identisch, hat es entweder nicht analysieren lassen oder es ist kein echtes Naturprodukt. Bei uns hat jede Charge ihre eigene Heuanalyse, und wir versuchen in der Produktbeschreibung jeweils klar zu sagen, für welchen Pferdetyp die Charge passt.
Häufige Fragen zur Heuanalyse
Welcher Zuckergehalt im Heu ist gut für Pferde mit Hufrehe?
Für Pferde mit Hufrehe oder akuten Stoffwechselproblemen sollte der Gesamtzuckergehalt unter 10 % liegen — je niedriger, desto besser. Noch wichtiger ist der Fruktangehalt, der unter 5 % bleiben sollte.
Wie viel Energie sollte Heu für ein leichtfuttriges Pferd haben?
Für leichtfuttrige Pferde, Robustpferde und Pferde mit EMS empfiehlt sich Heu mit einem Energiegehalt von etwa 5–6 MJ/kg. Übliches Heu hat 7–9 MJ/kg und wäre für diese Pferde zu energiereich.
Was ist der Unterschied zwischen Heu und Heulage in der Analyse?
Der größte Unterschied liegt in der Trockensubstanz: Heu hat über 85 %, Heulage etwa 50–70 %. Wenn du Heu und Heulage in den Werten vergleichen willst, musst du immer die Trockensubstanz-Spalte heranziehen — dort sind die Werte direkt vergleichbar.
Wie oft sollte Heu analysiert werden?
Jede Charge hat andere Werte, weil jeder Schnitt, jede Wiese und jedes Jahr anders ist. Eine seriöse Analyse erfolgt deshalb chargenweise, nicht einmal pauschal pro Jahr.
Was bedeutet "berechnet auf Trockensubstanz"?
Die Trockensubstanz-Spalte rechnet das Wasser aus dem Heu heraus, sodass nur der trockene Anteil bewertet wird. Das macht Werte vergleichbar zwischen Chargen mit unterschiedlichem Wassergehalt — und vor allem zwischen Heu und Heulage.
Noch Fragen zur Heuanalyse deiner Charge?
Wenn du unsicher bist, ob eine bestimmte Charge zu deinem Pferd passt, melde dich gern per Mail oder WhatsApp. Wir schauen uns die Werte gemeinsam an und sagen ehrlich, was passt und was nicht — auch wenn das mal heißt, dass eine andere Charge bei uns besser geeignet wäre.
